Wenn Ihr Tier nur Bahnhof versteht
Haben Sie schon einmal einen Behördenbrief gelesen und sich gefragt, ob Sie im richtigen Film sind ?
Da steht dann nicht: Bitte entfernen Sie das Unkraut am Zaun, sondern:
„Die Spontanvegetation hinter Ihrer nicht lebenden Einfriedung nimmt derart Überhand, dass Sie etwas dagegen unternehmen müssen.“
Oder statt Baum heißt es „raumübergreifendes Großgrün“.
Eine Diskothek wird zum „Lautraum“.
Und eine Schubkarre ist, im Amtsdeutsch, ein einachsiger Dreiseitenkipper.
Man kann darüber schmunzeln. Gleichzeitig steckt darin eine kleine Wahrheit: Sprache kann so kompliziert werden, dass man nur noch Bahnhof versteht.
Und genau das passiert auch häufig zwischen Mensch und Tier.
Wenn gute Absichten Verwirrung stiften
Viele TierhalterInnen meinen es besonders gut. Sie sprechen beruhigend, erklären und beschwichtigen:
„Du musst keine Angst haben, ich bin gleich wieder da, ich gehe nur schnell einkaufen, dann bin ich sofort zurück, du wartest hier schön brav und bist ganz lieb.“
So weit, so gut, das Problem ist nur: beim Tier kommt etwas ganz anderes an.
Oft nur Bruchstücke, verbunden mit unserer Stimmung: Angst, weg, warten. Das Tier versteht die Worte nicht, aber es spürt die Emotionen dahinter. Der Mensch will beruhigen, sendet jedoch gleichzeitig Unruhe und Unsicherheit.
So entsteht ein Kommunikationschaos, ähnlich wie bei einem amtsdeutschen Schreiben: Man erkennt einzelne Begriffe, aber die eigentliche Botschaft bleibt unklar.
Ein Erlebnis am Bahnhof
Ich erinnere mich an eine Szene mit meinem Hund am Bahnhof. Über Lautsprecher liefen Durchsagen, die für mich alle sinnvoll klangen: Gleiswechsel, Zug hat Verspätung, Ausstieg in Fahrtrichtung links.
Für meinen Hund aber war das nur ein Wirrwarr aus Geräuschen, Stimmen und Bewegungen.
Er stand neben mir, die Ohren aufgestellt, verunsichert.
Und in all dem Lärm sah er mich an, fragend: Was davon betrifft mich ?
In diesem Moment wurde mir wieder einmal bewusst: Es sind nicht die Worte, es ist unsere Haltung und Ausstrahlung, die Sicherheit geben. Ein ruhiger Ton, eine klare Geste, ein inneres „Alles gut“ – das war die Botschaft, die wirklich ankam.
Drei Tipps, damit Ihre Botschaft ankommt
1. Weniger Worte, mehr Klarheit
Wählen Sie kurze, einfache Sätze. Statt langer Erklärungen reicht oft ein einziger klarer Satz. Wichtig ist, dass Sie innerlich überzeugt davon sind.
2. Körpersprache bewusst einsetzen
Ihr Tier liest nicht nur Ihre Stimme, sondern vor allem Ihre Haltung und Bewegung. Eine ruhige Geste oder ein klarer Blick sagt mehr als viele Worte.
3. Innere Haltung spürbar machen
Ihr Tier spürt, was Sie denken und fühlen. Wenn Sie innerlich sicher sind, dass alles in Ordnung ist, wird Ihr Tier das ebenfalls fühlen. Wenn Sie unsicher oder gehetzt, unter Druck stehen und gestresst sind, reagiert es genau darauf.
Diese drei Ebenen – Wort, Körper und innere Haltung – gehören untrennbar zusammen.
WENIGER WORTE, MEHR WIRKUNG.
Es ist nicht die Menge der Worte, die unser Tier versteht, sondern die Klarheit dahinter. Wenn wir lernen, unsere Energie, unsere Körpersprache und unser inneres Denken bewusst zu steuern, entsteht Verständigung auf einer anderen Ebene.
Es könnte alles so einfach sein.
- Statt „raumübergreifendes Großgrün“ einfach Baum.
- Statt Verwirrung: Klarheit im Miteinander.
Das Amtsdeutsch liegt nicht in meinem Einflussbereich, aber für das Miteinander mit Ihrem Tier habe ich jede Menge gute Tipps.
Wie Sie Sprache, Körpersprache, Denken und Fühlen mit Ihrem Tier in Einklang bringen, erfahren Sie im Basisseminar Tierkommunikation.
Tierisch gesehen … braucht Verständigung keine langen Reden, sondern echte Präsenz.
Menschlich betrachtet … entsteht Vertrauen dort, wo Klarheit beginnt.

