Hatten Sie schon einmal ein Geheimnis ?
Und haben Sie es sofort in den sozialen Netzwerken gepostet ?
Nein ?
Natürlich nicht, es wäre ja dann auch gar kein Geheimnis mehr.
Aber warum sind immer mehr Menschen geradezu versessen darauf,
alles über sich zu verraten ?
Geheimnisse scheinen out –
Einblicke in alle Lebenslagen sind in.
Das Geheimnis, das ein Geheimnis bleiben darf
Das Bedürfnis, jede Mahlzeit mit anderen zu teilen, nimmt zu.
Kein Urlaub vergeht ohne Urlaubsfotos für den Rest der Welt.
Was wir früher mit einigen wenigen geteilt haben, darf heute von München bis Mailand jeder erfahren.
Was steckt hinter dieser ständigen Kommunikation ?
Ist es das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit ?
„Hallo, ich bin hier – ist da jemand, der sich für mich interessiert ?“
Ich will das gar nicht bewerten. Jeder darf nach seiner eigenen Fasson leben und seinem Bedürfnis nachgeben.
Gleichzeitig aber schätze ich die echten Kontakte.
Die Begegnungen mit Menschen, die ich wirklich kenne.
Mit denen ich mich austauschen kann.
Menschen, denen ich ein Geheimnis anvertrauen darf und es bleibt ein Geheimnis.
Haben Sie ein Geheimnis ?
Ich gehe davon aus, dass Ihnen entweder sofort etwas einfällt oder nach kurzem Nachdenken.
Jeder von uns hat sie, durchschnittlich 13, das hat der amerikanische Forscher Michael Slepian von der Columbia University herausgefunden.
Sie reichen von kleinen Unwahrheiten bis hin zu tief sitzenden Erlebnissen, Gedanken oder Wünschen.
Warum behalten wir Geheimnisse für uns ?
Weil sie geschützt werden wollen. Weil sie nicht für jeden bestimmt sind.
Und weil sie, so paradox es klingt, Teil unserer inneren Stabilität sind.
Ein Geheimnis ist ein persönlicher Raum.
Und dieser Raum ist wertvoll, denn er schützt unser Inneres, unsere Identität, unsere Sicherheit.
Wenn Tiere sich öffnen
In Gesprächen mit Tieren erlebe ich eine grosse Offenheit, sie bringen mir Vertrauen entgegen und teilen sich mit, sie spüren:
Ich werde wahrgenommen, da ist jemand, der mir zuhört.
Nach über vierzig Jahren und mehr als 2.500 Dialogen habe ich noch nie erlebt, dass ein Tier sich verweigert oder schweigt, dass es sich einfach nicht mitteilen will.
Sie alle nehmen offen an, dass sie sich mitteilen dürfen, dass sie gehört werden.
Ein Tier sagt nichts, um zu gefallen.
Es braucht keine Bühne, keine Anerkennung.
Es teilt etwas, weil es ihm wichtig ist, weil es vertraut.
Und dieses Vertrauen ist das Fundament jeder echten Beziehung, ob zwischen Mensch und Tier oder zwischen zwei Menschen.
Wenn sich ein Tier öffnet, ist das wie das Öffnen einer inneren Tür.
Was dahinter liegt ist auch für mich immer wieder eine Überraschung.
Manchmal sind es alte Erfahrungen, Verletzungen, Ängste und genauso oft Freude, Dankbarkeit, Zuneigung.
Was immer es ist: Es will gesehen und gehört werden, aber nicht gepostet.
Darum gehe ich mit jedem Dialog so um, wie man mit einem anvertrauten Geheimnis umgeht: behutsam, respektvoll, achtsam.
Denn ein Geheimnis zu wahren bedeutet, Sicherheit zu geben.
Sicherheit und Vertrauen gehören zusammen.
Für Ihr Tier bedeutet das: Mein Mensch hört mir zu, ist bei mir und vermittelt mir ein gutes Gefühl. Nähe und Präsenz sind für jedes Tier wichtig, ob Hund, Katze, Pferd oder Lama. Ihr Tier spürt, ob Sie wirklich da sind oder gedanklich woanders.
Es braucht keine Perfektion, sondern Präsenz.
Vielleicht ist das das Geheimnis tiefer Verbundenheit: sich aufeinander verlassen zu können, ohne Worte, ohne Beweise.
Freundschaft wächst aus Vertrauen.
Wenn Sie erfahren möchten, wie Vertrauen, Bindung und Freundschaft entstehen, lade ich Sie herzlich ein zur Webinarreihe „Eine Freundschaft fürs Leben“.
Drei Abende, drei Themen, ein Ziel: mehr Verständnis, Sicherheit geben, damit Freundschaft entstehen darf.
Tierisch gesehen …
ist Vertrauen ein wesentliches Puzzleteil einer guten Beziehung.
Menschlich betrachtet …
dürfen wir lernen, dass das größte Geheimnis in der Stille liegt,
im gemeinsamen, ruhigen Miteinander, das keine Posts und Beweise braucht.

